In dieser Folge von LEGO® Meet the Pro interviewen wir Jeroen Ottens. Jeroen ist der kreative Kopf hinter Jeroen Ottens Design. Hier können Sie eine LEGO® Reproduktion Ihres Lieblingsautos entwerfen und bauen lassen. Darüber hinaus finden Sie auf seiner Website unterschiedliche LEGO® Auto MOC’s, von denen Sie die Anleitung bestellen können.
ToyPro: Jeroen, könnten Sie sich zuerst mal vorstellen?
JJeroen: Mein Name ist Jeroen Ottens. Ich bin 45 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern. Ich habe Maschinenbau studiert und arbeite jetzt bei ASML. Ich habe auch eine eigene Firma für die Herstellung von LEGO® Modellen.
ToyPro: Wann hat Ihre Leidenschaft für LEGO® angefangen und seit wann sind Sie ein professioneller Designer?
Jeroen: Als ich etwa drei Jahre alt war habe ich meine erste LEGO®-Box bekommen. Es war immer mein Lieblingsspielzeug. Zuerst LEGO® System, dann Züge und danach LEGO® Technic. Als ich mit meinem Studium anfing, habe ich aufgehört, aber nach einigen Jahren bin ich, für mein Praktikum, zu meinen Eltern zurückgekehrt. Meine alte Sammlung war immer noch da und abends habe ich damals Cape Canaveral gebaut. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Nach meinem Praktikum habe ich entschlossen LEGO® Technic zu kaufen. Es stellte sich heraus, dass ich als Student über ein breiteres Budget verfügte als als Kind und ganz schnell habe ich dann wieder eine grosse Sammlung aufgebaut.
Glücklicherweise suchte LEGO® damals Designer in den Niederlanden. Ich wurde eingestellt und 1998 und 1999 habe ich als LEGO® Technic Senior Designer in Billund gearbeitet. Wegen Umstände (Meine Frau und unser erstes Kind) mussten wir in die Niederlanden zurückkehren. Dann habe ich eine Weile nichts mehr gebaut.
Nach einigen Jahren wollte ich wieder mit LEGO® bauen und habe ich wieder angefangen. In meiner Zeit bei LEGO® haben wir gerade den Übergang zur modernen LEGO® Technic ohne studs gemacht. Also, als ich wieder anfing, musste ich zuerst lernen wie man damit Konstruktionen baut. Als ich das im Griff hatte, habe ich angefangen Instruktionen meiner Modelle zu machen (insbesondere Autos).
Eines Tages hat jemand gefragt ob ich auch auf Bestellung ein Modell bauen wollte. Er hatte selbst einen Ferrari 308, den er in LEGO® Technic bauen lassen möchte. Ich habe das gemacht und bald gab es dann mehrere Aufträge. Anfang 2017 habe ich entschlossen eine eigene Firma zu gründen. Zwei Jahre später habe ich mittlerweile 12 grosse Modelle gebaut.
ToyPro: Warum lieben Sie es, LEGO® Technic Modelle zu bauen?
Jeroen: ich bin ein Technikfreak, hundertfünfzigprozentig. Für mich ist der technische Aspekt also sehr wichtig. Ich versuche neue Technik anzuwenden, die Regeln einzuhalten die ich bei LEGO® gelernt habe und ein Gleichgewicht zwischen Funktionen, Struktur und Styling zu finden. Ich kann wirklich einfache, elegante Lösungen geniessen, bei denen diese drei Aspekte perfekt aufeinander abgestimmt sind. Einer der Gründe, warum ich so gerne Autos baue? Autos haben viele Funktionen, eine erhebliche Steifigkeit ist erforderlich und Styling ist sehr wichtig. Es ist wirklich ein Gesamtpaket, das gebaut werden soll.
ToyPro: Was sind die größten Herausforderungen (im Allgemeinen) beim Entwerfen?
Jeroen: Das ist eine schwierige Frage. Es hängt sehr stärk vom Modell ab, wo die Herausforderung liegt. Bei meinem Liebherr LTM11200 bestand die Herausforderung darin in einem so grossen Modell so viel wie möglich Funktionen anzuwenden. Beim Miura Concept Car, an dem ich gerade arbeite, besteht die Herausforderung hauptsächlich darin, die Linien des Designs genau so zu gestalten, wie Marco van Overbeeke es gezeichnet hat.
Meistens erfahre ich während des Designprozesses auch einen zwei-Drittel-Tief. Oft gibt es einen Moment, in etwa zwei Drittel des Prozesses, wo alles nicht mehr möglich scheint. Ich erfahre Probleme mit den Linien in der Karosserie, die vordere Federung ist zu zerbrechlich usw. Eigentlich möchte ich dann die Flinte ins Korn werfen. Meistens fange ich dann damit an etwas anderes zu bauen. Wenn ich dann später zurückkomme, sehe ich immer neue Lösungen und kann ich weitermachen.
Manche Modelle sind einfacher als andere. Bei manchen Modellen scheinen die Teile auf eine natürliche Weise zu passen und gibt es immer Lösungen, während andere Modelle wirklich ein Kampf sind. Eines der schwierigsten Modelle war der Ferrari Testarossa. Ich bemühte mich ständig, gute Lösungen zu finden für das Getriebe, die Gestaltung und die Steifigkeit des Rahmens. Das andere Extrem ist ein Modell das ich noch nicht veröffentlich habe, aber wirklich wie von selbst verlief.
ToyPro: Welche Software und/oder Tools verwenden Sie?
Jeroen: Das hängt von der Art der Bestellung ab. Wenn es ein one-off Design ist, baue ich alles in real life. Das einzige Tool das ich dann benutze, ist eine kleine Kneifzange um ab und zu einen Stift zu lösen. Wenn ich aber auch Bauinstruktionen machen soll, benutze ich LDCad um das Modell komplett zu digitalisieren. Andere machen dann die Instruktionen, mit LPub3D.
Früher benutzte ich manchmal den Model-Scaler von Sariel, aber heutzutage baue ich dem Gefühl nach. Es gibt mir die Freiheit Akzente etwas anderes zu setzen wodurch bestimmte Linien im Modell in den Vordergrund rücken. Die Art und Weise wie wir interpretieren was wir sehen ist ein wunderbarer Prozess.

ToyPro: Haben Sie Ziele oder Projekte für die Zukunft?
Jeroen: Ich habe ziemlich viele Aufträge, das ist also schon eine Basis für die nächsten Jahre. Ich träume davon mit einer exklusiven Automarke zusammenzuarbeiten.
ToyPro: Wie bekommen Sie neue Ideen?
Jeroen: Erstens bekomme ich natürlich viele Anfragen um bestimmte Fahrzeuge zu bauen. Nicht jeder kann zahlen was ich verlange, aber ich verfolge welche Fahrzeuge gefragt werden, also das ist schon eine Inspiration. Darüber hinaus folge ich die Autonachrichten um zu sehen welche (Konzept)Autos in Genf und auf anderen Autoausstellungen gezeigt werden.
Und manchmal ist es ein Mechanismus den ich verwende möchte, der zu einem Modell führt. Je möchte ich ein Modell machen wobei ich mehr als zwei Funktionen durch einen Turntable führe. Das muss so etwas wie ein Bagger sein.
ToyPro: Haben Sie Tipps für unsere Leser die selbst ein Modell mit LEGO® machen oder reproduzieren möchten?
Jeroen: just do it. Es gibt keine Ausbildung, man muss es selbst machen. Das Bauen offizieller Modelle oder Modelle andere AFOL's kann sicherlich dazu beitragen, Erfahrungen zu sammeln.
ToyPro: Gibt es LEGO® Designers die Sie bewundern?
Jeroen: Ja! Ich bin Fan des LEGO® Technic Designers Uwe Wabra und mit ihm habe ich selbst noch zusammengearbeitet. Daneben folge ich NKubate, auch ein ehemaliger LEGO® Designer, Brunoji (ToyPro-Fans kennen ihn von diesem LEGO® McLaren P1 Hypercar MOC) und Madoca.
Wir möchten Jeroen für dieses Interview danken. Möchten Sie mehr über Jeroen lesen oder möchten Sie auch ein LEGO® Modell Ihres Lieblingsautos machen? Besuchen Sie dann jeroenottens.com. Sie finden Jeroen auch auf YouTube.
Möchten Sie selbst ein LEGO® Auto bauen? ToyPro bietet eine reiche Auswahl an LEGO® Autoteilen. Auf unserer Seite mit LEGO® Speed Champions Sets, finden Sie schöne Standard-Sets.
Entdecke hier alle Lightailing Lichtsets
Erhalten Sie den wöchentlichen ToyPro Newsletter und bleiben Sie auf dem Laufenden mit den neuesten Nachrichten über ToyPro und LEGO®, MOCs und vieles mehr. LEGO entdecken
Erfolgreich! ToyPro wird Sie von nun an auf dem Laufenden halten. Willkommen im Club.