In dieser Episode von Meet The LEGO® Pro interviewen wir ein Designer der auch bei seinen Kollegen besonders beliebt ist. Nathanaël Kuipers, besser bekannt als NKubate, ist ein MOC-Designer der bei anderen Designern in hohem Ansehen steht. ToyPro sprach mit Nkubate und dieser niederländische LEGO® Pro hat sich die Zeit genommen um unsere Fragen zu beantworten.
ToyPro: Können Sie Ihren Hintergrund beschreiben? Seit wann beschäftigen Sie sich mit LEGO®? Wie würden Sie sich als MOC-Designer umschreiben? Arbeiten Sie alleine oder in einem Team?
NKubate: Die Frage ist natürlich, was professionell bedeutet. Ich würde sagen, dass es erst wirklich professionell wurde, als ich als Produktdesigner bei LEGO® anfing. In den Jahren, in denen ich dort gearbeitet habe ist mir sehr klar geworden, welche Eigenschaften ein professionelles LEGO® Design erfüllen muss. Viel Aufmerksamkeit wird der gesamten Erfahrung gewidmet. Bauen und spielen sind mindestens genauso wichtig, wie das Aussehen des Modells.

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Obschon ich jetzt nicht mehr für LEGO® arbeite, spielt die gesamte Erfahrung immer noch eine wichtige Rolle, wenn ich neue Modelle entwerfe. Leider sieht man dies nicht, man muss es erleben. Deshalb bin ich stark von anderen abhängig, die Erfahrung mit meiner Arbeit haben. Meine Entwürfe haben oft mit Autos zu tun, meine Spezialität, aber im Laufe der Jahre habe ich ein Portfolio aufgebaut, das ein sehr breites Modellspektrum aufweist. Ich würde mich daher als einen Allrounder umschreiben, der immer die Grenzen sucht, was mit LEGO® „legal“ möglich ist, also was LEGO® hinsichtlich der Qualitätsanforderungen selbst genehmigen würde. Aufgrund der hohen Anforderungen die meine Designs erfüllen müssen, bin ich zurzeit Freiberufler.
ToyPro: Wie und wann hat Ihre Leidenschaft für LEGO® angefangen?
NKubate: Als kleiner Junge war LEGO® schon mein Lieblingsspielzeug, mit dem ich viele Stunden verbringen konnte. Zunächst baute ich Modelle anhand von Beispielen, ließ jedoch meiner Fantasie freien Lauf und baute meine eigenen Kreationen. Dann kam die Pubertät und war LEGO® plötzlich nicht mehr so interessant, was zu den sogenannten ‚dark ages“ führte, in denen ich mit LEGO® so gut wie nichts hatte.
Nach der Oberschule habe ich damit angefangen, industrielles Produktdesign zu studieren und entwickelte LEGO® auch Technologiemodelle, mit mehr Aufmerksamkeit für das Design. Dies weckte mein Interesse wieder und nachdem ich meinen Lehrern mein eigenes Modell gezeigt hatte, wurde mir gesagt, dass ich Talent hatte und sie ermutigten mich, mehr damit zu tun.

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Ich würde sagen, dass dies der erste Anstoß war, aber die wirkliche Leidenschaft fing erst an als ich zu einem Workshop bei LEGO® eingeladen wurde. Das hat mich so beeindruckt! Von da an näherte ich mich dem Bauen mit LEGO® ganz anders. Die Erfahrung die ich gesammelt habe als ich einige Jahre für LEGO® arbeiten dürfte hat mich für den Rest des Lebens geprägt. Die Leidenschaft die ich jetzt habe wird wahrscheinlich nicht mehr verschwinden, obschon sie manchmal mehr oder weniger anwesend ist.
ToyPro: Was gefällt Ihnen an den MOCs und Themen, die Sie entwerfen?
NKubate: Seit meiner Kindheit interessiere ich mich für Automobile. Daher ist es nicht überraschend, dass der Großteil meines Portfolios aus Autos besteht. Dies ist aber nicht meine grösste Motivation. Wie ich schon sagte, suche ich gerne die Grenzen, sowohl meine eigenen Grenzen als auch die Bedingungen die anwendbar sind. Je grösser die Herausforderung, desto motivierter ich bin und desto besser ich arbeiten kann.

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Deswegen arbeite ich gerne mit vielen Einschränkungen. Dies hat unter anderem zu 1 meiner Spezialisierungen geführt: Entwurf von alternativen Modellen für offizielle Sets. Dies bedeutet, dass beim Entwerfen eines Modells kein zusätzlicher Stein außerhalb des Sets verwendet werden kann. Wenn man dann auch die Qualitätsanforderungen von LEGO® so viel wie möglich erfüllen möchte, wird dies eine echte Herausforderung! Leider scheint dies von vielen erheblich unterschätzt zu werden.
ToyPro: Welche Tools und Software verwenden Sie beim Entwerfen?
NKubate: Ich verwende während des Designverfahrens eigentlich kaum Software. Es macht nicht nur mehr Spaß mit LEGO® Steinen analog zu bauen, sondern bietet es auch direktes Feedback zu allen möglichen Aspekten, sowie Funktionen, Festigkeit und Bebaubarkeit. Darüber hinaus fördert das körperliche Bauen meine Kreativität und Denkfähigkeit. Nur wenn das Design eines Modells in meinen Augen OK ist, werden Tools und Software miteinbezogen.

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ToyPro: Was sind die größten Herausforderungen bei neuen Projekten?
NKubate: Dies ist von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich. Bei Technic Modellen ist es am schwierigsten um Funktionen zu kreieren und sie zuverlässig funktionieren zu lassen. Bei Charakteren besteht die Schwierigkeit darin, ihnen Persönlichkeit zu verleihen. Bei der Erstellung von Alternativen besteht die Herausforderung darin, sich auf den Inhalt eines Sets zu beschränken. Eine Kombination dieser Faktoren gibt es auch manchmal, was die Komplexität einer solchen Herausforderung erheblich erhöht.
ToyPro: Haben Sie schöne Projekte, Ziele und/oder Träume für die Zukunft?
NKubate: In Bezug auf Bauprojekte möchte ich noch einiges versuchen. Great Ball Contraptions (GBCs) sind zum Beispiel sehr interessant und für dieses Konzept möchte ich gerne einige schöne Module entwerfen. Darüber hinaus möchte ich einen steuerbaren “Walker” bauen, mit 2 oder mehreren Beinen, bei dem man auch die Bewegungsrichtung ändern kann. Außerdem möchte ich auch mal wieder einen neuen Transformer kreieren, mit allen verfügbaren modernen Teilen und Bautechniken.
Mein Ziel oder Traum ist es, so viel wie möglich Menschen mit LEGO® Steinen zu inspirieren und davon leben zu können. Dies beinhaltet sowohl Baubeispiele als auch Workshops und Beratungen anbieten.
ToyPro: Wie bekommen Sie Ideen für neue Projekte?
NKubate: Tja, das ist eine schwierige Frage. Oft kommen neue Ideen aus einer Mischung von Faktoren. Wenn man Foren folgt, Artikel liest und Modelle von anderen Herstellern sieht, entsteht spontan der Gedanke “Hé, könnte das auch funktionieren?" Das Wichtigste für mich ist also, dass diese Frage sich nicht leicht beantworten lässt, dann möchte ich die Herausforderung annehmen. Fast jedes Modell, dass ich entwerfe hat einzigartige Herausforderungen, die es für mich interessant machen. Es ist vergleichbar, wenn Alternativen gebaut werden. Hier beschränken die verfügbaren Teile die Möglichkeiten, eine interessante Herausforderung.

ToyPro: Haben Sie Tipps für unsere Leser die selbst MOCs bauen oder bauen/entwerfen möchten?
NKubate: Fangen Sie damit an viel offizielle Modelle zu bauen und möglicherweise machen Sie einige MOCs nach, damit Sie sich komplett mit dem Bausystem auskennen. Nehmen Sie dann Anpassungen Mods) an verschiedenen Modellen vor indem Sie zusätzliche Details oder Funktionen zufügen. Im Laufe der Zeit können Sie dies immer weiter ausbauen bis ein Modell nicht mehr als offizielles Modell erkannt werden kann, sondern eine komplett eigene Kreation geworden ist.
ToyPro: Welche Designer folgen Sie und gefallen Sie?
NKubate: Eigentlich folge ich keine spezifische Personen. Es gibt ja so viel Talent, jeder hat einzigartige Qualitäten. Alle inspirieren mich, mich weiter zu entwickeln. Vielleicht ist es ein Nachteil, dass ich keinen charakteristischen Stil habe, die Menschen immer wiedererkennen, aber dadurch bin ich in allen Sätteln gerecht. Außerdem möchte ich ein Trendsetter sein und das ist schwierig wenn man andere folgt.
Aufgrund meiner Erfahrung als LEGO® Designer bin ich auch ziemlich kritisch. Obwohl ein Modell sehr fantastisch aussieht, kann ich aus einem Bild nicht erkennen, wie gut etwas gebaut ist oder wie ingeniös das Bauverfahren ist, was heutzutage auch sehr wichtig ist.
ToyPro: NKubate, vielen Dank für Ihre Zeit, Inspiration und Ratschläge. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Gestaltung neuer, schöner LEGO® MOCs. Möchten Sie mehr Konstruktionen von Nkubate bewundern? Sehen Sie dann sein LEGO® Portfolio auf seiner Website.
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